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Es gibt ein Tool das mir im letzten Jahr geholfen hat, meinen kreativen Output deutlich zu steigern. Es ist nicht etwa mein Lieblingsbass oder ein abgefahrenes Audio-Gadget. Nein, es ist etwas das jeder als Smartphone App besitzt oder zum Beispiel in der Küche liegen hat. Mein Top Gear 2021 ist eine simple Küchenuhr, auch Timer genannt.

Dieser Timer hilft mir dabei meinen Output beim der Musikproduktion zu steigern.

Ich nehme mir täglich 15 Minuten Zeit um eine neue Idee zu entwickeln. Sobald die 15 Minuten um sind, höre ich auf zu arbeiten und exportiere das Ergebnis als MP3. So entsteht täglich eine neue musikalische Idee und manchmal sogar wesentlich mehr. Die besten Ideen werden dann in nachfolgenden Sessions weiterentwickelt.

15 Minuten mag nach wenig Zeit klingen. Aber das ist alles eine Sache der Übung. Anfangs waren es 30 Minuten. Im Laufe der Zeit wurde der Timer dann immer kürzer eingestellt. Jetzt bin ich bei täglichen 15 Minuten. Es ist unglaublich wie viele Ideen mit dieser Methode bereits entstanden sind. Viele davon würde ich niemals jemanden Vorspielen. Das ist okay. Jede kurze Session ist als kleine Kreativ-Übung unabhängig vom Ergebnis wertvoll. Ich lerne täglich etwas dazu. Mein Workflow verbessert sich. Ich schaffe es sogar Dinge zu auszuprobieren, die ich seit Jahren unter "könnte, sollte, müsste" vergraben hatte.


Man kann nicht Kreativer und Beurteilender gleichzeitig sein. Deshalb lasse ich mindestens eine Woche verstreichen bis ich mir die Ideen anhöre. 10-20% davon gefallen mir so gut, dass ich daran weiterarbeite. Das sind aufs Jahr gerechnet zwischen 30 und 60 Ideen. Nicht schlecht, oder?


Auch beim weiterspinnen der einzelnen musikalische Ideen hilft mir der Timer. Ich wähle jede Woche zwei Ideen aus, an denen ich jeweils 2x 30 Minuten weiterarbeite.

Damit bleibt mein Zeitbudget für die Musikproduktion übersichtlich und ich komme trotzdem gut voran

Diese Methode ist inspiriert vom Pareto Prinzip, Parkinsons Gesetz, der Walt-Disney-Methode und der Pomodoro Technik. Es lohnt sich diese Techniken einmal zu googeln. Oder du folgst einfach weiter meinem Blog. Ich werde zu jeder von ihnen einen Beitrag verfassen.

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Weniger ist mehr, das gilt auch für kreatives Arbeiten, denn die Limitierung unserer Möglichkeiten macht erst richtig kreativ. Versuche mal ein Bild zu malen in dem alle Farben vorkommen. Oder entwerfe eine Druckdokument mit ganz vielen verschiedenen Schrifttypen. Das Ergebnis wird immer unbefriedigend ausfallen.


Im Blogpost "Minimal Lego" habe ich davon erzählt, wie kreativ ich als Kind wurde, als ich für längere Zeit als einziges Spielzeug ein paar wenige Lego Bausteine zur Verfügung hatte. Diese Idee der Limitierung lässt sich super für alle kreativen Prozesse und auch beim Üben anwenden. Grundsätzlich bedeutet Limitierung das bewusste Einschränken von Möglichkeiten. Hast du schon mal versucht ein Musikstück auf einem "visuellen" Instrument wie Gitarre oder Klavier im Dunkeln zu spielen? Das wäre zum Beispiel die Limitierung deiner Sinneseindrücke. Probiere es gerne mal aus. Es ist nicht leicht. Aber wenn du an der Übung Gefallen findest, lernst du dein Instrument noch einmal ganz anders kennen.


LIMITIERUNG UND MUSIKPRODUKTION

Wenn ich Ideen für neue Stücke/Tracks sammle setze ich mir eine ganze Reihe von Limits:

Ein Zeitlimit von 10-15 Minuten hilft mir, mich nicht zu verzetteln. Mit dieser Methode habe ich in den letzten 1 ½ Jahren knapp 700 musikalische Ideen generiert. Nur die Besten entwickle ich weiter und setze mir auch hierfür ein Zeitlimit von 30 Minuten je Session.


Als elektronischer Musikproduzent stehen mir theoretisch unendlich viele Sounds und Audiospuren zur Verfügung. Das ist der größte Unterschied zu Bands und Ensembles mit festgelegten Besetzungen. Die Gefahr mich angesichts der zahllosen Optionen zu verzetteln ist groß! Deshalb setze ich vorab Regeln und schränke meine Möglichkeiten damit ein. Zum Beispiel limitiere ich die Zahl der erlaubten Audio- und Midispuren auf fünf. Konkret sind das ein Beat und vier Instrumentenspuren. Auch mit der Einschränkung von Sounds habe ich gute Erfahrungen gemacht. Das kann konkret bedeuten, den Track nur mit den verfügbaren Sounds eines Synthesizer Plugins zu erstellen. Auf jeder Audiospur ist also nur dieses eine Plugin erlaubt. Diese Methode ist super, wenn du dir ein neues Plugin zugelegt hast. Versuche eine Woche lang jeden Tag eine Idee ausschliesslich mit den Sounds dieses Plugins zu machen. Danach weißt du ob sich deine Neuanschaffung gelohnt hat.

Ein anderer Weg ist das Limitieren der Zeit für die Auswahl von Sounds. Das geht so: Ich öffne ein Synth-Plugin und wähle irgendeinen beliebigen Sound. Je weniger der Zufalls-Sound zu meiner Vorstellung oder in das bestehende Stück passt, umso kreativer muss ich sein.


LIMITIERTUNG AM INSTRUMENT

Auch beim Üben gibt es eine ganze Reihe von Limitierungen die du ausprobieren kannst. Hier ein paar Beispiele:

  • Improvisiere ein Solo mit maximal drei Tönen je Takt.

  • Halbiere deine Übezeit. Kompensiere die knappe Zeit durch gesteigerte Konzentration und die Fokussierung auf die wichtigste Übung.

  • Spiele eine Übung nur mit einer Hand oder einem Finger.

  • Spiele auf einem Bein stehend (=Limitierung des Gleichgewichts).

  • Erlaube dir beim Spielen einer Melodie nur eine stark begrenzte Anzahl an Phrasierungstechniken wie Slide oder Triller.

  • Schränke den Tonumfang beim Improvisieren stark ein. Das geht besonders gut bei Gitarren und Bässen. Beispiel: Improvisiere über Autumn Leaves mit Akkordtönen. Nur die Töne auf der A- und D-Saite zwischen fünften und zehnten Bund sind erlaubt.



Hast du mit solchen limitierenden Übungen schon Erfahrungen gemacht? Nutze gerne die die Kommentarfunktion und lasse mich und alle Leser/innen daran teilhaben!

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Heute möchte ich dir einen kleinen Schwank aus meiner Jugend erzählen. Als ich in der fünften Klasse war, durfte ich zum ersten mal in ein Flugzeug steigen. Zusammen mit meinen Großeltern ging es nach Canada, meine Urgroßtante besuchen. Das war aufregend! So aufregend, dass ich komplett vergaß Spielsachen einzupacken. Im Flieger bekam ich dann von einer Stewardess einen kleinen Lego Raumfahrt Baukasten geschenkt. Das war neben einem Ball und ein paar Comics alles, was ich zum Spielen dabei hatte. Die vier Wochen in Canada waren auch ohne Spielsachen superspannend, keine Frage. Ich verbrachte aber auch viel Zeit mit meiner Handvoll Lego-Bausteinen und erschuf die krassesten und verrücktesten Flugobjekte. Als ich dann wieder zu Hause war, gingen die weit gereisten Canada-Legosteine in meinem großen Legokasten auf. Und so sehr ich mich auch bemühte, ich schaffte es nicht mehr derart kreativ zu sein wie mit den wenigen Steinen.

Diese Erfahrung kommt mir regelmäßig in den Sinn. Als Musiker häuft man im Laufe der Jahre so viel Equipment an. All die Instrumente, Effektgeräte und die zahllosen Audio-Plugins, die man für das Produzieren von Musik braucht. Alle Jahre wieder gibt es den Black Friday Sale. Kein Jahr ohne ein paar neue Plugin-Schnäppchen. Dieses Jahr habe ich mich allerdings extrem zurückgehalten, habe allen Verlockungen und Angeboten getrotzt. Ich habe nichts gekauft. Ich glaube nicht mehr daran, dass meine Musik besser wird, oder ich kreativer bin, weil ich mir etwas neues kaufe.

Ganz im Gegenteil gehen meine Gedanken gerade stark in Richtung Reduktion. Was von all dem verwende ich wirklich? Was davon beherrsche ich? Was davon hilft mir, meinen eigenen Stil weiterzuentwickeln? Vor allem die letzte Frage beschäftigt mich sehr. Ich komme immer mehr zu dem Schluss, dass ein eigener Stil nur durch Limitierung entstehen kann. Denn Limitierungen machen kreativ.

Hast du schon einmal versucht deine Kreativität über Limitierungen zu wecken? Falls ja, schreibe mir gerne. Ich bin gespannt!


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