Dead Time Practice - So wird aus der nervigen Warterei wertvolle Übezeit.


Kennst du diese zähen Momente in denen du zum Warten verdonnert bist. Lange Schlangen an der Supermarktkasse, ein verspäteter Zug, ein unerwarteter Stau...

Wenn du zu den Menschen gehörst, die solche Momente des Wartens nicht nur als verlorene Lebenszeit sondern auch als entgangene Übezeit empfinden, habe ich eine gute Nachricht für dich. Üben geht auch unterwegs und ohne Instrument. Das macht zwar nicht ganz so viel Spaß, ist aber dafür sehr effektiv. Hierzu ein paar Anregungen.

Rhythmus

Rhythmusübungen kannst du immer und überall machen. Nutze zum Beispiel beim Laufen deine Füße als Taktgeber und improvisiere Rhythmuspatterns dazu.

Da gibt es dieses Stück bei dem du immer wieder an der gleichen Stelle rausfliegst, weil du den Rhythmus einfach nicht hinbekommst. Photographiere die entsprechenden Takte in den Noten mit deinem Smartphone. Wenn du das nächste mal in der Warteschlange stehst, öffnest du das Photo und übst übst du genau diesen Rhythmus. Dir fehlt ein Metronom? Kein Problem! Wenn zu den Leuten gehörst die nie ohne Smartphone und Kopfhörer aus dem Haus gehen, lädst du dir einfach eine Metronom App. Kein Handy dabei? Vielleicht läuft auch gerade irgendwo Hintergrundmusik. Popmusik lässt sich immer super als Metronom verwenden. Das Stück muss dafür natürlich einigermassen vom Tempo und der Rhythmik passen. Sechzehntelrhythmen über einen Blues Shuffle zu üben funktioniert zum Beispiel nicht gut. Falls die Hintergrundmusik kein gutes Playback für deinen Rhythmus darstellt, sei kreativ und passe ihn bewusst an die Musik an.

Gängige Metronom-Übungen, wie den Click auf verschiedenen Zählzeiten zu hören, Rhythmuspyramide etc. kannst du super unterwegs üben. Ich setze dafür gerne das Vibrations-Metronom von Soundbrenner ein. Das Teil sieht aus wie eine Armbanduhr und wird auch so getragen.


Harmonielehre

Fleißübungen aus der Harmonielehre lassen sich gut unterwegs erledigen. Dazu gehört zum Beispiel das Aufsagen von Tonleitern im Quintenzirkel. Du startest ganz einfach in C-Dur und sagst die die Töne auf, also CDEFGABC. Dann kommt G Dur: GABCDEF#G, dann D-Dur etc. Wenn du die Tonleitern vorwärts kannst, sage sie rückwärts auf. Zu einfach? Dann bilde auf jedem Tonleiterton einen Drei- Vier- oder Fünfklang. Die Dreiklänge in C-Dur sind: ceg, dfa, egh, fac, ghd, ace, bdf. Super, das gleiche in G-Dur, D-Dur, A-Dur etc..

Sei kreativ und überlege dir eigene Regeln. Alle Dreiklänge als Umkehrungen aufsagen, leitereigene Kadenzen basteln wie I-VI-II-V und deren Akkordtöne aufsagen...

Eine Variante der Übung ist das visualisieren der Akkorde. Stelle dir dazu vor wie die Akkorde am Instrument spielst und stelle dir ihren Klang vor.

Gehörbildung

Gehörbildung kann man mit entsprechenden Apps wie dem "Funktional Ear Trainer" oder "MyEarTraining" super üben. Es geht aber auch ohne Gehörbildungs-App. Singe oder summe Intervalle und Akkordbrechungen. Das geht super wenn du zu Fuß unterwegs bist. Und falls du Bedenken hast jemanden mit deinen Übungen zu stören, summe oder singe mental. Für die Kontrolle der Intonation ist eine einfache Klavier-App hilfreich.

Mentaltraining

Leistungssportler visualisieren ihre Wettkämpfe. Sie gehen jeden Schritt einzeln im Kopf durchdurch. Das kannst du auch. Anstatt zu spielen stellst du dir mit allen Sinnen vor wie du ein Stück perfekt spielst. Diese Übung ist recht anstrengend, Daher würde ich sie nicht an der Supermarktkasse probieren. Aber während eines Spaziergangs, nach einem Saunagang, oder wenn du nachts nicht einschlafen kannst, ist sie optimal.


Es gibt so viele Situationen bei denen du deine Musikalität trainieren kannst. Du musst nicht erst auf den nächsten Stau warten. Sei kreativ, und denke dir deine eigenen Übungen aus.


Der Knackpunkt ist meist in solchen Momenten daran zu denken. Mache dir am besten eine Liste auf der steht was du in welcher Situation üben könntest. Beispiel: Warteschlange - Quinten innerlich hören, Fahrrad zur Arbeit - Tonleitern aufsagen, Gang zum Briefkasten- Füße als Metronom... Drucke die Liste aus und positioniere sie so, dass dein Blick täglich darauf fällt. Neben dem Spiegel im Badezimmer ist zum Beispiel ein guter Platz.

Wenn Du mit Apps übst, lege deine Übe-Apps gleich auf der ersten Seite im Menü deines Smartphones ab . Falls du dafür Platz brauchst, kannst du ja Zeitfresser wie Social Media weiter nach hinten schieben...


Ich hoffe dieser Beitrag motiviert und inspiriert Dich. Lass gerne ein Like oder einen Kommentar hier. Deine Meinung interessiert mich sehr!


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