Musikvideo selbst drehen TEIL 1 - So entstand On A Funkalactical Journey


Mein neuestes Video "On A Funkalactical Journey" ist ein Musikvideo in dem mehrere Clips nebeneinander vor einem virtuellen Hintergrund zu sehen sind. Dafür wurde die Greenscreen Technik verwendet. Alles wurde alleine performt und ohne Helfer mit Low-Budget-Equipment gefilmt. Es ist das zweite Video das ich komplett in Eigenregie aufgenommen und produziert habe. Ich möchte dir Einblick geben wie das Video entstanden ist.


Video-Equipment

Die verwendete Technik war eher spartanisch. Gefilmt wurde alles mit einer Gopro Hero 8. Das Licht kam von zwei low budget Softboxen. Um die Videos in den Space-Background zu setzen habe ich mich wie bei "Disinfection Funk" der Greenscreen Technik bedient. Diese ist einfach erklärt. Man dreht alles vor einem grünen Vorhang und rechnet den Hintergrund dann raus. In Final Cut, dem Videoschnittprogramm für das ich mich entschieden habe, muss man dafür einfach nur den Keying Effekt auf das jeweilige Video ziehen. Das ist kinderleicht! Es gibt aber zwei Sachen zu beachten: Der Greenscreen sollte gut gespannt sein und keine Falten werfen. Das Licht positioniert man so, dass der Schattenwurf auf den Screen möglichst gering ist. Bei Funkalactical Journey hatte ich Falten im Greenscreen und dementsprechend viel Arbeit beim Editieren der Videos. Es lohnt sich etwas mehr Zeit in einen gut gespannten Screen investieren.

Das Einbinden mehrerer Videos die parallel ablaufen, beherrschen nicht alle Schnittprogramme. Mit iMovie geht es z.B. nur über Umwege. In Final Cut ist es ganz einfach. Man braucht hierfür aber einen leistungsfähigen Rechner. Sonst ruckelt die Darstellung der einzelnen Videos. Mein nagelneues Macbook Pro M1 war mit bis zu 7 parallel laufenden Clips überfordert. Der Rechner den ich nicht in die Knie zwinge muss anscheinend noch erfunden werden :)

Das Video enthält eine ganze Reihe von Anspielungen und lustigen Momenten. Viele davon haben sich erst währen des Drehs entwickelt. Ich war gelichzeitig Kameramann, Videoeditor, Regisseur und Schauspieler. Bei vielen Ideen die mir während des Drehs kamen, habe ich einfach darauf vertraut, dass die Umsetzung in Final Cut schon irgendwie gelingt und mich ganz auf die Performance konzentriert.

Es hätte den Aufnahmeprozess unnötig verkompliziert alles erst als Demo aufzunehmen und im Videoprogramm auszuprobieren. Anders ausgedrückt: ich hatte mich von Anfang an gegen Perfektionismus ausgesprochen. So ein Video soll ja auch irgendwann mal fertig werden.



Die Ausgangsidee

Die Ursprungsidee war ein gekacheltes Video. Alle Stimmen des Arrangements sollten im Video sichtbar sein und jedes Instrument seine individuelle Kachel bekommen. Die Hintergründe der Kacheln stellte ich mir als zum Beat pulsierende geometrische Formen vor. Eine Idee die ich mangels Know How schnell wieder verwarf. Stattdessen experimentierte ich mit bewegten Wallpapers. Ich fand bei einem einem Stock-Video Anbieter eine nächtliche Kamerafahrt über leuchtenden Hochhäusern. Der Clip war mit 20 Sekunden zu kurz, gefiel mir aber sehr gut. Also kopierte ich ihn mehrfach hintereinander in Final Cut und legte einen Roughmix meines Tracks darunter. Ich war überrascht wie stark dieser Hintergrund meine Wahrnehmung der Musik beeinflusste. Die Idee einer Space-Journey war geboren. Und auch die Idee das Stück "On A Funkalactical Journey" zu nennen kam mir erst jetzt.

Das Space-Wallpaper wird passend zur Musik vorwärts und rückwärts, schnell und langsam wiedergegeben. Man muss schon genau hinsehen um zu erkennen, dass es sich um einen kurzen Clip handelt der in Schleife läuft.

Ich nahm ein paar Dummy Takes vor dem Greenscreen auf und setzte sie ins Space-Wallpaper. Dann lies ich das ganze Projekt erst einmal für ein paar Tage liegen. Das Hirn im Hintergrund an Problemlösungen arbeiten lassen ist nie verkehrt. Ja, und dann sprudelten auf einmal die Ideen. Es waren so viele dass ich ein Drehbuch brauchte. Mehr dazu aber in Teil 2.


Die Charaktere


Links oben im Bild steht der solide groovende Band Bassist. Rechts oben sein Kumpel, der gerne Solo spielt und slappt. Unten links steht der Keyboarder, oder besser gesagt der Linnstrumentalist. Denn es ist kein Keyboard auf dem ich spiele, sondern das von Roger Linn entwickelte Linnstrument. Ich liebe dieses Instrument. Es ist gestimmt wie ein E-Bass und für mich viel einfacher zu spielen als eine Klaviatur.

Die Keys spielen bis zum Finale immer nur eine tiefe Bassnote und einen einzigen Akkord. Ein einfacher Part. Als Bassist kann ich ein Liedchen davon singen, wie heftig das mental game ausfallen kann, wenn man währen eines Stückes einen derart monotonen Part zugewiesen bekommt. Der menschliche Geist produziert allerhand zermürbende Fragen, schweift ab oder versucht zu optimieren anstatt einfach nur in der Musik aufzugehen. Und der Keyboard-Micha tappt im Video voll in die Optimierungs-Falle. Der Aufdruck GAS auf seinem T-Shirt steht für das unter Musikern häufig auftauchende gear acquisation syndrom. Damit ist der Drang ständig neues Equipment anzuschaffen gemeint. Und genau das macht Keyboard-Micha. Er bastelt während des ganzen Clips an seinem Setup, baut immer mehr Equipment auf. Der Akkord, den er spielen darf, klingt aber immer gleich:) Ja, und Keyboard-Micha ist ein kleiner Sound Terrorist. Seine Basstöne fegen die beiden Bassisten oben im Bild regelmässig vom Zeitstrahl.


Als Keyboard-Basswellen-Micha bei 2:39 nicht weiß wie er sein letztes Stück Equipment höher stellen kann, klaut er dem Weltraum Passagier ganz frech sein Buch.

Wie gut die ganze Weltraum Thematik passt wurde mir erst im Laufe des Drehs klar. Das Buch im Video, auf dem in großen freundlichen Buchstaben "Keine Panik" geschrieben steht, ist Douglas Adams per "Anhalter durch die Galaxis".



Ich hatte beim Zusammensuchen der Requisiten einfach nur nach einem dicken Buch gesucht und dann fiel mein Blick auf den Anhalter. Damit kam auch der Bassist mit dem 8-String Bass in der Mitte zu seiner seine Rolle. Er ist der Weltraumreisende. Das war ursprünglich nicht so geplant.

Der 8-String Bassist hat relativ viele Pausen. Es hätte komisch gewirkt ihn nur dann ins Bild treten zu lassen, wenn er auch etwas spielt. Deshalb verhält er sich ein bisschen wie wie ein Orchestermusiker. Er vertreibt sich die Zeit zwischen seinen Einsätzen mit Lesen und Kaffeetrinken. Die Idee ihn als kleine Homage an Douglas Adams zu inszinieren gefiel mir aber noch besser. Vielleicht ist er auch beides. Übrigens wird ihm bei 2:13 die Kaffeetasse geklaut :)

Kommen wir last not least zu den Bas(s)ketbällen. Das Video war weitgehend gedreht und es gab diese großen Lücken zwischen den Musikern. Größer zoomen war nicht möglich. So ein Bass braucht einfach einen gewissen Platz im Bild. Daher musste ich mein Micha-Orchester erweitern.




Auf die Idee die Kickdrum mit Basketbällen darzustellen brachte mich mein Sohn. Für Ballsport hatte ich nie Talent. Ich war früher im Sport der, den die Mannschaftskapitäne erst ganz Schluß in ihr Team holten. Ganz anders mein Sohn, der noch vor "Papa" das Wort Basketball sagen konnte. Ihm verdanke ich es, dass ich auf meine alten Tage doch noch etwas Begeisterung fürs Ballspielen entwickeln konnte. Die Kickdrum ist in dem Stück recht komplex und war mit einem Ball nicht zu spielen bzw. zu dribbeln. Daher wurden die Rhythmen auf zwei bis drei Bälle aufgeteilt. Das erforderte einiges an Vorbereitung. Ich programmierte mir Übe-Playbacks und dann wurde im doppelten Sinne Basketball geübt.

Ich bin glücklich, dass ich die Ball-Parts rhythmisch ziemlich genau hinbekommen habe und komplett unbearbeitet ins Video übernehmen konnte. Nur ein einer Stelle relativ weit am Schluss musste ich nachbearbeiten. Dies geschah in Ableton Live. Ein tolles Tool, wenn es darum geht Bewegungen im Video exakt auf den Beat zu schneiden.

In Teil 2 gebe ich dir einen Einblick in mein Drehbuch und zeige unveröffentlichtes behind the scenes Material. Abonniere am besten meinen Newsletter. Dann erfährst du als erster wenn Teil 2 erscheint. Zudem erhältst du meine neue und gleichzeitig erste 4-Track EP kostenlos. Hier gehts zur EP



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