Limitierung = Kreativ-Turbo !




Weniger ist mehr, das gilt auch für kreatives Arbeiten, denn die Limitierung unserer Möglichkeiten macht erst richtig kreativ. Versuche mal ein Bild zu malen in dem alle Farben vorkommen. Oder entwerfe eine Druckdokument mit ganz vielen verschiedenen Schrifttypen. Das Ergebnis wird immer unbefriedigend ausfallen.


Im Blogpost "Minimal Lego" habe ich davon erzählt, wie kreativ ich als Kind wurde, als ich für längere Zeit als einziges Spielzeug ein paar wenige Lego Bausteine zur Verfügung hatte. Diese Idee der Limitierung lässt sich super für alle kreativen Prozesse und auch beim Üben anwenden. Grundsätzlich bedeutet Limitierung das bewusste Einschränken von Möglichkeiten. Hast du schon mal versucht ein Musikstück auf einem "visuellen" Instrument wie Gitarre oder Klavier im Dunkeln zu spielen? Das wäre zum Beispiel die Limitierung deiner Sinneseindrücke. Probiere es gerne mal aus. Es ist nicht leicht. Aber wenn du an der Übung Gefallen findest, lernst du dein Instrument noch einmal ganz anders kennen.


LIMITIERUNG UND MUSIKPRODUKTION

Wenn ich Ideen für neue Stücke/Tracks sammle setze ich mir eine ganze Reihe von Limits:

Ein Zeitlimit von 10-15 Minuten hilft mir, mich nicht zu verzetteln. Mit dieser Methode habe ich in den letzten 1 ½ Jahren knapp 700 musikalische Ideen generiert. Nur die Besten entwickle ich weiter und setze mir auch hierfür ein Zeitlimit von 30 Minuten je Session.


Als elektronischer Musikproduzent stehen mir theoretisch unendlich viele Sounds und Audiospuren zur Verfügung. Das ist der größte Unterschied zu Bands und Ensembles mit festgelegten Besetzungen. Die Gefahr mich angesichts der zahllosen Optionen zu verzetteln ist groß! Deshalb setze ich vorab Regeln und schränke meine Möglichkeiten damit ein. Zum Beispiel limitiere ich die Zahl der erlaubten Audio- und Midispuren auf fünf. Konkret sind das ein Beat und vier Instrumentenspuren. Auch mit der Einschränkung von Sounds habe ich gute Erfahrungen gemacht. Das kann konkret bedeuten, den Track nur mit den verfügbaren Sounds eines Synthesizer Plugins zu erstellen. Auf jeder Audiospur ist also nur dieses eine Plugin erlaubt. Diese Methode ist super, wenn du dir ein neues Plugin zugelegt hast. Versuche eine Woche lang jeden Tag eine Idee ausschliesslich mit den Sounds dieses Plugins zu machen. Danach weißt du ob sich deine Neuanschaffung gelohnt hat.

Ein anderer Weg ist das Limitieren der Zeit für die Auswahl von Sounds. Das geht so: Ich öffne ein Synth-Plugin und wähle irgendeinen beliebigen Sound. Je weniger der Zufalls-Sound zu meiner Vorstellung oder in das bestehende Stück passt, umso kreativer muss ich sein.


LIMITIERTUNG AM INSTRUMENT

Auch beim Üben gibt es eine ganze Reihe von Limitierungen die du ausprobieren kannst. Hier ein paar Beispiele:

  • Improvisiere ein Solo mit maximal drei Tönen je Takt.

  • Halbiere deine Übezeit. Kompensiere die knappe Zeit durch gesteigerte Konzentration und die Fokussierung auf die wichtigste Übung.

  • Spiele eine Übung nur mit einer Hand oder einem Finger.

  • Spiele auf einem Bein stehend (=Limitierung des Gleichgewichts).

  • Erlaube dir beim Spielen einer Melodie nur eine stark begrenzte Anzahl an Phrasierungstechniken wie Slide oder Triller.

  • Schränke den Tonumfang beim Improvisieren stark ein. Das geht besonders gut bei Gitarren und Bässen. Beispiel: Improvisiere über Autumn Leaves mit Akkordtönen. Nur die Töne auf der A- und D-Saite zwischen fünften und zehnten Bund sind erlaubt.



Hast du mit solchen limitierenden Übungen schon Erfahrungen gemacht? Nutze gerne die die Kommentarfunktion und lasse mich und alle Leser/innen daran teilhaben!

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